Aktion Mensch beklagt große Länderunterschiede bei Inklusion

Die Aktion Mensch beklagt große Länderunterschiede bei dem Regelschulbesuch behinderter Kinder. Deutschland komme beim gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung unterschiedlich schnell voran, dies führe zu großen Unsicherheiten bei Eltern, Kindern und Lehrern, erklärte die Förderorganisation am Donnerstag in Bonn. So besuche in Niedersachsen noch nicht einmal jedes zehnte behinderte Kind eine Regelschule (7,2 Prozent), in NRW seien es 15,5 Prozent. Führend sei Schleswig-Holstein mit einem Anteil von 45,5 Prozent. Das nördlichste Bundesland liege damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund 20 Prozent.

Viele Bundesländer müssten „nachsitzen“, um deutlich mehr Kindern das gemeinsame Lernen zu ermöglichen, forderte Martin Georgi vom Vorstand. Das Mitglied im Expertenkreis „Inklusive Bildung“ der deutschen UNESCO-Kommission verwies auf die UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2009 in Deutschland in Kraft ist. Demnach darf niemand aufgrund seiner Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden.

„Es ist immer noch verbreitete Ansicht, dass Kinder mit Behinderung nur in der Sonder- oder Förderschule gut aufgehoben sind oder sie sogar das Fortkommen anderer in der Regelschule bremsen“, erklärte Georgi. Mit Eberhard Jüttner vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband forderte er Anpassungen in der Lehrerausbildung und klare Zuständigkeiten in den Ländern für die inklusive Schule. Das jetzige Träger- und Zuständigkeitswirrwarr sei eine Zumutung für Eltern und Kinder.

Teurer sei die inklusive Bildung für den Staat in der Anlaufphase, hieß es. Auf lange Sicht sei ein einheitliches Schulsystem mit weniger Schultypen kostengünstiger, erklärte der Inklusionspädagoge Andreas Hinz von der Uni Halle-Wittenberg.

 

Quelle: http://goo.gl/2lyLJ (Evangelischer Pressedienst)