Inklusion im Arbeitsleben

Das in der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verankerte Leitbild der sozialen Inklusion wird zu großen Veränderungen in der Behindertenhilfe führen. Auch Werkstätten für Menschen mit Behinderungen benötigen zukünftig ein neues Profil. Eine von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) eingerichtete Expertengruppe hat dazu Empfehlungen erarbeitet, die jetzt beim Fachkongress „BGW forum 2011 – Gesundheitsschutz in der Behindertenhilfe“ in Hamburg vorgestellt wurden.

Das Positionspapier „Empfehlungen zur ‚Neuen Werkstatt'“ thematisiert nicht nur den anstehenden Wandel in den Betrieben selbst, sondern auch die Weiterentwicklung der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Verfasst wurde es von Fachleuten aus Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Verbänden, Politik und der BGW – im Rahmen einer von der BGW ins Leben gerufenen „Denkwerkstatt: Inklusion und Werkstatt“. Nach Einschätzung der Experten lässt sich die UN-BRK nur erfolgreich umsetzen, indem alle direkt und indirekt Beteiligten in einem partizipativen Prozess zusammenwirken. Dazu gibt die Denkwerkstatt Empfehlungen an die Träger, die Fachkräfte und die Beschäftigten der Werkstätten sowie die Teilnehmer dortiger Maßnahmen, an den Gesetzgeber, an die Rehabilitationsträger und an die Arbeitgeber des allgemeinen Arbeitsmarktes. Profil erneuern

Nach Auffassung der Autoren des Positionspapiers kommt den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen auch in der angestrebten Inklusionsgesellschaft eine wichtige Aufgabe zu. Notwendig sei allerdings eine Neu-Profilierung der Einrichtungen: weg von institutionenzentrierten Strukturen und überwiegend pauschalen Leistungsangeboten hin zur bedarfsgerechten Dienstleistung für Menschen mit Behinderungen. Es gehe darum, innerhalb der Werkstätten die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten für die dort Beschäftigten zu stärken und zu fördern, ihr Wunsch- und Wahlrecht sowie ihre gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Dazu müsse die personenzentrierte Unterstützung und Förderung deutlich zunehmen – auch im Hinblick auf lebenslagenbedingte Übergänge wie Ausbildung, Vermittlung in den allgemeinen Arbeitsmarkt oder Wiedereingliederung dorthin. Rahmenbedingungen verbessern

Bereits heute beschneiden die gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen, Finanzierungswege und Handlungsräume sowie die einrichtungsinternen Strukturen nach Ansicht der Autoren die Potenziale vieler Werkstätten. Für eine Neuprofilierung im Sinne der Inklusion seien sie erst recht zu verbessern. Dazu enthält das Positionspapier unter anderem folgende Forderungen:

  • die Entwicklung des SGB IX zum Leistungsgesetz zur Sozialen Teilhabe,
  • die Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Fortentwicklung der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen zu zukunfts- und wettbewerbsfähigen Sozialunternehmen,
  • die Neufassung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Minimierung der Nachteile für Werkstattbeschäftigte infolge des Übergangs in den allgemeinen Arbeitsmarkt (Rückkehrrecht, Rentensicherung) sowie
  • die rechtliche Verankerung der Persönlichen Assistenz und des Budgets für Arbeit als mögliche Formen der Leistungserbringung.

Gesundheit fördern

Durch den anstehenden Wandel werden sich auch die Arbeitsbedingungen und -anforderungen in den Werkstätten ändern. Beispielsweise werden die ausgelagerten und virtuellen Arbeitsplätze zunehmen, neue Tätigkeitsprofile und Arbeitsabläufe entstehen. Das wiederum bringt neue Herausforderungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz mit sich. „Die Arbeit der von der BGW eingerichteten Denkwerkstatt zielt auf eine inklusive, sichere und gesunde Arbeitswelt“, erklärt Prof. Dr. Stephan Brandenburg, Hauptgeschäftsführer der BGW. „Wir möchten damit einen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung der UN-Konvention leisten und werden diese auch mit Programmen zur Gesundheitsförderung in unseren Mitgliedsbetrieben unterstützen.“ Dialog angeregt

Das Positionspapier „Empfehlungen zur ‚Neuen Werkstatt'“ wurde beim „BGW forum 2011“ mit Interesse aufgenommen. In einem Satellitensymposium auf dem Fachkongress, der insgesamt mehr als 1.200 Teilnehmer vom 5. bis 7. September in Hamburg zusammenführte, diskutierten Menschen mit und ohne Behinderungen über Teilhabe und die Umsetzung der UN-Konvention. Bereits zuvor war eine Vorabversion des Positionspapiers mit den behindertenpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen und dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, besprochen worden. Auch dort wurde das BGW-Engagement für einen dialogischen Transformationsprozess positiv aufgenommen.

Das Papier liegt als ausführlicher Fachtext über 38 Seiten und als 14-seitige Zusammenfassung in Leichter Sprache vor.

Quelle: BGW – Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege