Dringender Handlungsbedarf im Gesundheitswesen

Nach Ansicht des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen gibt es dringenden Handlungsbedarf in vielen Bereichen des Gesundheitswesens, damit wirksame Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention verwirklicht wird. Hubert Hüppe äußerte sich auf der heutigen Abschlussveranstaltung zur Tagungsreihe „Gesundheit für Menschen mit Behinderung“ in Berlin.

Hüppe betonte, dass Menschen mit Behinderung benachteiligt seien, ob beim Arztbesuch und Klinikaufenthalt oder bei der Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln. Medizinisches Personal sei häufig weder in der Lage, Komplexerkrankungen behinderter Menschen richtig zu diagnostizieren, noch fähig mit Menschen mit Behinderungen umzugehen, so der Behindertenbeauftragte.

„Es muss ein deutlicher Schwerpunkt zur Gesundheit von Menschen mit Behinderung in Aus-, Fort- und Weiterbildungen des medizinischen Personals gesetzt werden. Behinderte Menschen müssen außerdem mehr bei der Bedarfsfeststellung beteiligt werden. Sie wissen am besten, was sie brauchen. Wenn mehr Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen aufwachsen würden, bestünde von vornherein viel weniger das Problem, dass medizinisches Personal verunsichert bis unsensibel mit den Bedürfnissen behinderter Menschen umgeht“, so Hüppe.

Daneben verhindere die fehlende Barrierefreiheit von Praxen und Kliniken immer noch den Zugang zu medizinischen Leistungen. „Hier geht es nicht nur um Rampen und Aufzüge, sondern auch darum, etwa leichte Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Beratungsgesprächen zu verwenden oder gehörlose, blinde und taubblinde Menschen umfassend zu beraten. Bestehende Missstände müssen dringend abgestellt werden“, so der Behindertenbeauftragte. Er erwarte, dass die von der Bundesregierung angekündigten Initiativen in den Bereichen „barrierefreie Arztpraxen“ und „Sensibilisierung des medizinischen Personals für die Belange behinderter Menschen“ zu spürbaren Verbesserungen führen.

Auf der Tagungsreihe sei überdies deutlich geworden, dass der behinderungsbedingte Mehrbedarf im Gesundheitswesen nicht ausreichend berücksichtigt wird. „Es kann beispielsweise nicht einfach hingenommen werden, dass Menschen mit sogenannter ‚geistiger Behinderung’ oder bestimmten körperlichen Behinderungen, insbesondere in Heimen, eine deutlich schlechtere zahnmedizinische Versorgung erhalten. Hier muss gegengesteuert werden“, betonte Hüppe.

Weiterer Handlungsbedarf wurde deutlich bei Zwangseinweisungen und Zwangsbehandlungen und unzureichenden ambulanten Strukturen für psychisch erkrankte Menschen, bei der Versorgung mit Hörgeräten einschließlich Anpassung und Hörtraining, Inkontinenzmitteln oder etwa mit Sportrollstühlen, um einen inklusiven Sportunterricht zu ermöglichen. Es wurde ebenso festgestellt, dass eine unabhängige Beratung in vielen Bereichen fehlt.

 

Quelle: http://goo.gl/wDhN5 (kobinet)